3. Station des Naturlehrpfads:

Verlassene Plantagen - Die "Heliconienschlucht"

Text und Webdesign: S. Engwald
Fotos (wenn nicht anders gekennzeichnet): S. Engwald

Heliconia & Costus Heliconia aurea
Die häufigsten Pflanzen in den aufgegebenen Conucos (ehemalige Anpflanzungen) sind die Bananenverwandte Heliconia aurea und das Ingwergewächs Costus scaber. Bizarre, grüne Wendeltreppen, gebildet aus den stufenartig angeordneten Blättern, die einem merkwürdig verdrehten Sproß entspringen, münden in roten Zuckerhüten. Dies ist charakteristisch für Costus scaber (siehe Foto unten).
Costus scaber
Heliconia aurea aus der Familie der Musaceae ist überall dort zu finden, wo der Mensch seine Spuren hinterließ. Kundige Reisende werden ihre Begleiter verblüffen, wenn sie ihnen mit einem Blick sagen können, dass hier kein jungfräulicher Wald mehr zu finden ist.

Für viele Menschen sind die Tropen untrennbar mit dem Vorhandensein von breitblättrigen Bananen-Pflanzen im Unterwuchs verbunden. Wer alte Tarzan-Hollywoodfilme kennt, weiß wovon die Rede ist. Doch in Regenwälder sind diese Pflanzen nur an Stellen zu entdecken, die zuvor vom Mensch gestört wurden. Dort wo Lichtungen geschlagen oder Pflanzungen angelegt wurden, siedeln sich schnell sogenannte Pionierpflanzen an. Sie brauchen viel Licht, wachsen schnell und ebnen letztlich den Weg zu einer erneuten Waldregeneration. Man könnte sie auch Unkräuter nennen, bloß dass diese Arten von Unkräutern so hübsch sind, dass sie nicht selten in Blumenvasen auf dem heimischen Wohnzimmertisch zu finden ist.

Conucos nennen die Bauern ihre kleine Plantagen, die sie in die Wälder stanzen. Viele von ihnen mögen gar nicht wissen, dass es ein Wort der indianischen Bevölkerung ist, denen die kreolischen Bauern (Criollos) zuvor dieses Land genomen hatten. Über eine lange Zeit können diese Pflanzungen nicht betrieben werden: der Boden gibt nicht genug her. Ist der Wald auf ihm erst einmal verschwunden, verschwinden alsbald auch sämtliche wichtige Nährstoffe des Bodens.

Der untere Teil des Lehrpfades führt einige Male durch solche Conucos. Interessante Pflanzen wachsen hier: Die unten abgebildete Cecropia ist solch ein typisches Pioniergehölz. Ihre fächerartigen, handförmig gefiederten Blätter erinnern uns an die vertraute Kastanie. Cecropia ist auch deshalb so erfolgreich, da sie eine bemerkenswerte Symbiose eingegangen ist: Sproß und Äste sind in hohle Kammern gegliedert, die kleine, aber aggressive Azteka-Ameisen beherbergen.

Der Stamm und die Äste der Cecropia-Bäume sind oft hohl und in Kammern unterteilt. Diese Kammern bieten Wohnraum für ganze Völker der winzigen, aber sehr aggressiven Ameisengattung Azteka. Die kleinen Eingangslöcher liegen oberhalb der Blattansatzstelle (Foto oben).

Neben Wohnraum bietet die Pflanze ihren Untermietern auch Vollpension an: Nektardrüsen (Müllersche Körper) versorgen die Ameisen mit süßer Vollwertkost. Doch anstatt Miete zu zahlen, revangieren sich die kleinen Kämpfer auf andere Weise. Sie verjagen jeden möglichen Freßfeind der Cecropia, also vor allem andere Insekten, die sich an den Blättern gütlich tun wollen. Aztekenameisen sind sehr reinlich, sie säubern ihr Zuhause von Schmarotzer- oder Aufsitzerpflanzen. Deren Samen bekommen erst gar keine Chance zu keimen. Eine perfekte Symbiose, die sich über einen langen Evolutionprozess entwickelt hat.